7 Thesen zur Zukunft des Lehrens und Lernens


Strategie des Lernens im 21. Jahrhundert

Mit dem DigitalPakt Schule und flankierenden Maßnahmen liegt seit 2019 erstmals ein umfassender Fokus auf der digitalen Infrastruktur und den entsprechenden didaktischen Kompetenzen der Lehrkräfte. Es darf damit gerechnet werden, dass in den kommenden Jahren die allermeisten Schulen einen ausreichenden Grundstandard erreicht haben werden – vorausgesetzt, die Supportfragen und die Administrationsthemen der Schulen werden ausreichend berücksichtigt.

Damit rückt zunehmend die Frage in den Vordergrund, wie sich das Lehren und Lernen künftig gestalten wird. Kommt es zur Disruption in einem System mit rund 11 Mio. Schüler/-innen und 800.000 Lehrkräften, bei der kein pädagogischer Stein auf dem anderen bleibt? Oder ist, schon aufgrund des immensen organisatorischen Systems, verteilt auf 16 Länder und knapp 40.000 Schulen sowie Tausende Schulträger, eine „Organisationsentwicklung“ sinnvoll, im Rahmen derer die an der Organisation Beteiligten mit- und für die Weiterentwicklung eingenommen werden?

Es ist davon auszugehen, dass nur ein zielgerichtetes, von allen Beteiligten weitgehend akzeptiertes und leistbares, aber zügiges Weiterentwickeln des bestehenden Bildungssystems zum Erfolg führen wird. Auf diese Weise können zudem bildungspolitische Kollateralschäden vermieden werden. Mit Blick auf neue technologische Möglichkeiten werden sich also Lernkonzepte (#1) weiterentwickeln, die vielen tausend verschiedenartigen Bildungsmedien (#2) werden ihren Beitrag zu diesen Konzepten leisten müssen, und einfache Zugänge (#3) zu Bildungswegen und auch zu digitalen Bildungsmedien müssen gewährleistet sein. Dabei spielt die Persönlichkeit (#4) der Lehrenden und Lernenden eine wichtige Rolle, was sich auch auf den Umgang mit sensiblen Daten Minderjähriger bezieht.

Neben der andauernden Digital-Debatte rund um die Schule müssen sich die politisch Verantwortlichen aber auch darüber im Klaren sein, welche Grundwerte (#5) schulische Bildung fördern soll, welche Kultur des Lernens (#6) hinter neuen Lernkonzepten stehen muss und wie sich Schulen entsprechend konzeptionell (#7) weiter entwickeln müssen.

Auf diese sieben Herausforderungen werden im Folgenden Antworten gegeben, wobei alle sieben Themen wiederum miteinander verbunden sind und zusammen eine gesamthafte Sichtweise bilden.

#1 LERNKONZEPTE

Moderne Lernkonzepte zielen auf einen nachhaltigen Kompetenzerwerb der Schüler/-innen. Sie sind deshalb prozessorientiert.

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Wie werden Lehrkräfte in einer Umgebung, die zunehmend auch digitale Unterstützungsmöglichkeiten bietet, guten Unterricht gestalten? Wie werden Lernkonzepte sich verändern, mit welchen didaktischen Veränderungen ist zu rechnen, welche sind sinnvoll? Und welche Methoden und Materialien in welcher Form werden benötigt, damit diese sich verändernden Lernkonzepte zum nachhaltigen Erfolg führen? Wie wird erreicht, dass individualisiertes Lernen mit den Erfordernissen von Kollaboration und Kommunikation zwischen Lernenden verbunden wird? Wie gelingt das Miteinander in den Lernprozessen unter allen Beteiligten – unter den Lehrenden, zwischen Lehrenden und Lernenden und unter den Lernenden selbst?

Nicht nur unter digitalen Vorzeichen, sondern auch aus den Diskussionen und didaktischen Entwicklungen um differenzierende und inklusive Unterrichtsformen sind in den letzten Jahren wichtige Prozesse zur Veränderung von Lern- und Lehrkonzepten entstanden. Selbstverständlich ist, dass alle Lernkonzepte neben den fachlichen und methodischen Anforderungen und Kompetenzen die vier seitens der KMK formulierten Kernkompetenzen umfassen müssen, die alle Lernenden erwerben sollen: Kreativität, kritisches Denken, Kollaboration und Kommunikation. Aber es treten weitere Anforderungen hinzu, die zunächst die Komplexität von Lernprozessen zu erhöhen scheinen: Neben dem Erwerb von Medienkompetenzen wird es auch um die Ausbildung von Anforderungen für komplexe Lebens- und Arbeitsanforderungen gehen – Nachhaltigkeit ist hierfür ein Schlüsselbegriff.

So wird bei Lernkonzepten in allen Fächern der Anpassbarkeit auf die spezifischen Anforderungen einer Klasse oder Lerngruppe durch die Lehrenden eine wichtige Rolle zukommen. Die jeweilige Art und Weise der Lernkonzepte wird sich auch aus der Lernkultur (siehe #6) und den jeweiligen schulischen Schwerpunkten ergeben (siehe #7). Da Lernen immer den Erwerb von Wissen in Verbindung mit Kompetenzen bedeutet, also auf der Arbeit an entsprechend aufbereiteten Inhalten beruht, sind Lernkonzepte unmittelbar mit Medienkonzepten (#2) verbunden.


#2 MEDIENKONZEPTE

Professionelle Bildungsmedien dienen der verlässlichen Unterstützung der Lehrkraft. Sie sind stets am Curriculum orientiert und umfassen eine Vielzahl von Produktarten – analog und digital.

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Die im schulischen Kontext zum Einsatz kommenden Medien, insbesondere Bildungsmedien in ihrer ganzen Bandbreite, dienen dem arbeitsteiligen Zweck, der Lehrkraft einen optimalen Unterricht zu ermöglichen. Sie müssen der Vielfalt in deutschen Schulen, der Lernenden, aber auch der Lehrkräfte und ihren didaktischen Ansätzen Genüge tun. Somit bedarf es eines breiten Spektrums verfügbarer Medien und Werkzeuge, die allesamt einem einzigen Ziel dienen: guten Unterricht zu ermöglichen. Die Lehrkraft muss ohne weiteren Aufwand in die Lage versetzt werden, ihren Schüler/-innen auf optimale Weise und individuell angepasst den – auf einem breiten Konsens beruhenden und klar definierten – Kompetenzerwerb zu ermöglichen.

  • Lehr-/Bildungspläne sind formal bindend, vor allem aber sinnvoll, bilden sie doch ab, wie in welchen Fächern mit welchem Lernstoff Kernkompetenzen erworben werden sollen.
  • Damit sind auf diese Curricula bezogene Bildungsmedien für Schulen, Lehrkräfte und Schüler/-innen unverzichtbar – ob in analoger Form als „Schulbuch“ samt unterstützenden Materialien oder als interaktives, mit Funktionalitäten angereichertes digitales Medium, entscheiden die Nutzer.
  • Die technische und IT-administrative Ausstattung der Schulen, Lehrkräfte und Schüler/‑innen sowie die digitalen Kompetenzen der Lehrkräfte werden sich mittelfristig deutlich verbessern. Damit entstehen neue Möglichkeiten, auch in Zeiten von Präsenzunterricht digitale Materialien, Tools, Software, Lern-Apps, Office-Werkzeuge etc. zum Einsatz zu bringen.
  • Digitale Bildungsmedien bieten eine enorme Vielfalt und sind individuell adaptier- und einsetzbar, zudem können sie immer aktuell gehalten werden. Sie können für jede Phase schulischen Lernens und jede und jeden individuell unterschiedliche(n) Schülerin und Schüler eingesetzt werden.
  • Lehrkräfte benötigen für den Prozess des Lehrens und Lernens an Schulen einen verlässlich aufbereiteten Lernstoff, der den gesamten curricularen Bildungsgang eines Faches pro Schuljahr und damit aufbauend pro Schulstufe abdeckt. Die Qualität dieser Inhalte ist somit entscheidend für den Kompetenz- und Wissenserwerb der Schülerinnen und Schüler. In diesem Sinne werden nach wie vor Leitmedien Grundlage für das Lehren und Lernen bilden.
  • Leitmedien setzen den curricularen Gang bezogen auf ein Schuljahr, mehrere Lernjahre, eine Schulstufe unter Bezug auf Lernstände und Abschlussprüfung insgesamt um und bilden damit eine Leitfunktion zur Abdeckung des gesamten Lernstoffs.
  • Leitmedien geben Orientierung, aber sie dominieren nicht. Möglicherweise sind sie auch anpassbar und individualisierbar. Sie gruppieren sich in ein Setting aus diversen anderen Medien- und Lernangeboten, die ergänzend, phasenweise vertiefend und ganz sicher zur Entwicklung individueller Lernschritte die gesamte Bandbreite des einsetzbaren Medienmix ausmachen.
  • Entscheidend und leitend für die Einbindung von Medien muss immer die Frage des Nutzens für den Lernweg, die Lernphase sein. Der pädagogische, didaktische, fachliche oder methodische Mehrwert ist entscheidend dafür, ob und welches Medienangebot angemessen und sinnvoll ist.

#3 ZUGÄNGE zum Lernen

Bildungsgerechtigkeit entsteht nicht nur durch den Schulbesuch am Vor- und Nachmittag, sondern auch durch die einfache Verfügbarkeit technischer Endgeräte und digitaler Lerninhalte.

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Zugänge zum Lernen und zur Ausbildung müssen allen Lernenden offenstehen. Dies beginnt beim Schulbesuch und der Qualität von Schule. Jedes Kind hat gleichrangigen Anspruch auf Bildung und Bildungsabschlüsse. Jede Lehrerin, jeder Lehrer arbeitet mit diesem Anspruch, es braucht dafür aber für jede Schule die jeweils erforderlichen Gelingensbedingungen (siehe #7). Zugänge bedeutet auch, dass jede Schülerin, jeder Schüler auf Lernstoffe, Lernkonzepte und Lernmedien einfach, ohne Hürden zugreifen kann. Es darf in der Schule, in ihren verschiedenen Schulformen und vor allem in der immer wichtiger werdenden Ganztagsschule am Nachmittag keine Zugangswege unterschiedlicher Kategorien geben. Zu Recht gilt das Credo, dass kein Kind zurückgelassen werden darf. Dies bezieht sich auf eine flächendeckende Nachmittagsbetreuung, bei der ebenso wie im Unterricht die individuelle Förderung sehr wichtig ist (dazu #4). In technischer Hinsicht heißt dies, dass im digital gestützten Unterricht alle Schülerinnen und Schüler auch über die gleiche technische Ausrüstung verfügen. Daher sind – auch in dieser Hinsicht und nicht nur aus administrativen Gründen – BYOD-Konzepte schwierig. GYOD-Strategien gehen in die passende Richtung – wie auch immer die direkte Finanzierung gestaltet wird.

Das Thema Zugänge umfasst ebenfalls die Klärung der Anbindung digitaler Lerninhalte – also von Anwendungen und Medien. Diese Zugangswege müssen wie der Weg in die Schule und das Klassenzimmer im Sinne der Lernenden und Lehrenden einfach und hürdenfrei (d. h. ab 2025 auch barrierefrei) gestaltet sein. Dies gilt auch für Medien von Drittanbietern wie den Bildungsmedienverlagen, die in die Lernumgebungen technisch reibungslos und rechtssicher integriert werden müssen. Die Zauberworte hierfür heißen „Interoperabilität“ und „Identitätsmanagement“. Der Verband Bildungsmedien e. V. entwickelt zu diesem Zweck das Zugangssystem BILDUNGSLOGIN als eine Open-Source-Technologie, die in Schulverwaltungssysteme und LMS integriert werden kann.


#4 PERSÖNLICHKEIT der Lernenden und Lehrenden

Lernwege und Lerngeschwindigkeiten sind bei jedem Menschen verschieden. Responsive und adaptierbare digitale Lernsysteme unterstützen die verschiedenen Typen von Lernenden und müssen datenschutzrechtlich sicher sein.

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Jeder Mensch ist eine eigene Lernpersönlichkeit mit spezifischen Potenzialen, die es zu entwickeln und zu entfalten und im Klassenraum mit den anderen Individuen zu vernetzen gilt (siehe dazu #1). Auch Lehrende sind nicht nur Lernende gewesen, sondern sie entwickeln ihre Kenntnisse in der Wissensgesellschaft fort und geben sie an andere weiter. Jede Lehrkraft arbeitet mit der ihr eigenen persönlichen Professionalität, um den eigenen Unterricht so gut und passend wie möglich zu gestalten und die Lernerfolge der Lernenden so gut wie möglich zu beflügeln. Dabei sind individuelle Lernwege und Lerngeschwindigkeiten ein wichtiges Element, junge Menschen in ihrem eigenen Lernprozess voranzubringen. Den verschiedenen Typen von Lernenden eröffnen sich so vielfältige Möglichkeiten zum Erschließen, Verstehen und Absichern von Lerninhalten. Die Entwicklung entsprechender Konzepte läuft schon länger als die Digitalisierung. Aber digitale Lernangebote öffnen gerade für das individualisierte Lernen in verschiedenen Unterrichts- und Lernphasen am Nachmittag große Potenziale. So entstehen persönliche Lernportfolios, die auch die eigenen Wissensstände und Kompetenzentwicklung aufzeigen. Individualisierte Arbeitsphasen und digitale Lernangebote entlasten Lehrkräfte und geben ihnen wiederum Raum, auf die Schülerinnen und Schüler einzugehen, die spezifische Unterstützung benötigen.

Digitale, individuelle Lernportfolios und Medien setzen voraus, dass die jeweilige Person im System wiedererkannt werden kann. Ohne Wiedererkennbarkeit der einzelnen Lerner wären individuelle, responsive, adaptierbare Lernsysteme nicht möglich. Daher ist es wichtig, die Persönlichkeitsrechte im Rahmen datenschutzrechtlicher Anforderungen abzusichern und durch technische Maßnahmen zu verhindern, dass Portfolios von Lernenden in Verbindung mit personenbezogenen Daten verknüpft und diese Nutzerdaten außerhalb des Lernraums Schule und der für diese verantwortlichen Stellen gespeichert und verwaltet werden. Der Verband Bildungsmedien e. V. setzt sich daher für pseudonymisierte Identitäten ein, die die Wiedererkennbarkeit und Individualisierung ermöglichen, aber ohne Übergabe von Nutzerdaten. Dies ist ebenfalls ein Ziel von BILDUNGSLOGIN.


#5 GRUNDWERTE für die Bildung

Das Bildungssystem basiert auf anerkannten Grundwerten, die auch den Lernenden vermittelt werden. Digitale Entwicklungen erfordern eine Diskussion und Verortung dieser Werte.

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Schulische Bildung ist grundlegendes Lernen, um junge Menschen mit den erforderlichen Kompetenzen für das Leben und Arbeiten in einer Welt komplexer Vorgänge und großer Anforderungen zur Gestaltung künftiger Wirtschafts- und Arbeitsprozesse sowie zur Lösung globaler Probleme zu befähigen. In diesem Sinne erfordern Lehr-, Lern- und Unterrichtskonzepte Grundwerte und Grundlagen, die auf einen langfristigen, lebensbegleitenden Wissens- und Kompetenzzuwachs angelegt sind. Damit einher gehen Fragen nach Grundwerten gesellschaftlichen Zusammenlebens, einer Gesellschaft, die verschiedene politische Einstellungen, diverse Lebensentwürfe, verschiedene Religionen und ethische Anschauungen einbinden und verbinden muss. Das Thema Grundwerte steht aber auch in Bezug zu digitalen Entwicklungen und erfordert eine beständige Verortung, in welchem Verhältnis Gesellschaft und Individuen mit der Aggregation von Daten im Allgemeinen, persönlichen Daten im Besonderen umgehen wollen, welche Rolle und Macht Algorithmen und künstliche Intelligenz einnehmen sollen – womit es auch um so genannte Dominanzen im Verhältnis von Mensch und Maschine geht. Digitalität in allen bestehenden und zukünftigen Facetten ist nicht Selbstzweck und hat kein Eigendasein, sondern ist Mittel und Werkzeug zur Gestaltung von Prozessen. Dies gilt für Industrien und Dienstleistungen ebenso wie für das Lehren und Lernen. Bei der weiteren Entwicklung von Lehrplänen, Unterrichtsanforderungen und Bildungsmedien spielt nicht allein die Definition von Medienkompetenzen eine Rolle, sondern es sind zuvor Grundwerte für das Lehren und Lernen in digitalen Umgebungen zu diskutieren und zu bestimmen, was sicherlich im Zusammenhang gesamtgesellschaftlicher Debatten geschehen wird. Die Grundwerte unserer Gesellschaft basieren auf Anerkennung der Menschenwürde und der Freiheit des Menschen – was auch immer mit der Verantwortung des Einzelnen verbunden ist. Diese Verantwortung ist ein wesentlicher Bestandteil für die pädagogischen Freiräume, die für alle Lehrenden bestehen und aus denen heraus sie ihren Unterricht und das Lernen entwickeln.


#6 KULTUR des Lernens

Lernen findet im sozialen Miteinander von Lernenden und Lehrenden statt. Neben den Lernorten ist deshalb das Rollenverständnis aller Beteiligten entscheidend für den Erfolg.

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Lernen ist kein formaler Prozess, sondern ist und bleibt mit einem, mehreren oder unterschiedlichen Lernorten verbunden. Primärer Lernort dafür wird immer die Schule sein, wie auch immer diese gestaltet ist (dazu #7), in der sich Lehrende und Lernende begegnen (dazu #4). Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Grundwerte für die Bildung wird die Kultur des Lernens prägend sein, die aus Vorgaben (z. B. Curricula) und pädagogischen Freiräumen erwächst. Dies betrifft eine Schule als Ganzes ebenso wie jede Klasse oder Lerngruppe für sich. Die Kultur des Lernens eröffnet Chancen und Bedingungen für Lernprozesse, soziales Miteinander und Integration. Die Art und Weise, wie miteinander gelernt wird, setzt auf die Verbindung verschiedener Lernformen und -wege (dazu #1), was sich wiederum auch auf den Einsatz digitaler Medienangebote bezieht. Auch für ausschließlich digitale Lernformate spielt die Kultur des Lernens eine wichtige Rolle. Hier geht es ebenfalls um soziales Miteinander, soziales Verhalten im gemeinsamen Entwickeln, Teilen und Austauschen von Inhalten und Wissensständen.

Die Kultur des Lernens wird in gleicher Weise vom Rollen- und Selbstverständnis der Lehrenden getragen. Sie sind Wissensvermittelnde, Organisierende von Abläufen, Strukturen, aber auch Lernbegleiter und Berater als einzelne Lehrerin, einzelner Lehrer und als „Team-Teacher“ zusammen mit Blick auf die jeweiligen Klassen oder Lerngruppen.


#7 SCHULKONZEPTE

Die Schule ist der zentrale Ort des Lehrens und Lernens. Dessen Konzipierung berücksichtigt bildungspolitische Vorgaben ebenso wie administrative Gegebenheiten und die Motivation und Leistungsfähigkeit des pädagogischen Personals.

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Vor mehr als zehn Jahren begann bereits eine Debatte über die Weiterentwicklung von Schulkonzepten unter den Gesichtspunkten der Inklusion. Jedes Kind, jeder junge Mensch soll einen Anspruch auf seinen Lernweg in der allgemeinbildenden Schule und in den anschließenden Bildungsgängen bekommen. Um das zu gewährleisten, begannen sich veränderte Unterrichtskonzepte und veränderte Rollen der Lehrkräfte zu entwickeln. Auch in Bildungsmedien wurde Differenzierung in verschiedene Lernwege und Anforderungsstufen zu einem immanenten Konzeptelement. So, wie sich Aufgaben und Rollen von Lehrkräften verändern, ist es für die weitere Entwicklung des Lernens erforderlich, dass sich Schulkonzepte weiter entfalten können. Sie umfassen bisher schon unterschiedlich fokussierte Bildungsgänge (Schwerpunkte auf Fremdsprachenerwerb, mathematisch-naturwissenschaftliche, musische Ausrichtung usw.). Auch die Gliederung in Schulformen bringt verschiedene Schulkonzepte hervor. Schulkonzepte werden aber auch davon getragen und geprägt, dass strukturelle, pädagogische, didaktische, fachwissenschaftliche, soziale und mediale Bausteine für Schule, Unterricht und Lernen gesamthaft zusammengefügt werden (siehe #1 und #2). Dies wird sich auch auf bauliche, räumliche und technische Gegebenheiten auswirken und sich ebenso auf digitale Räume, Anforderungen und Medien beziehen.

  • Die Motivation für Lehrende, digitale Mittel und Medien für das Lernen einzusetzen, wird steigen, wenn dieses mit einem pädagogischen und didaktischen Ansatz verbunden ist, der die Integration digitaler Anwendungen und Medien im gesamten Unterrichtsverlauf und im Hinblick auf die Lernprozesse der einzelnen Schüler/-innen vorsieht.
  • Schulweg und Bildungserfolg dürfen nicht vom sozialen Status und Einkommen der Eltern abhängig sein. Daher ist die Durchlässigkeit und Verschränkung unterschiedlicher Lernwege, Lernkonzepte und Lernmedien wichtig.
  • Klassenräume, Lernräume, Lern-Ateliers und -Inseln sind bauliche Möglichkeiten für die vielfältigen Wege, dem Lernen räumliche Potenziale zu öffnen.
  • Professionelle Bildungsmedien bilden die Zusammenhänge der Curricula ab und sind damit eine verlässliche, durchgängige Orientierungslinie für die Schulen und den Unterricht, für die Lehrenden und die Lernenden. Sie sind aber nicht die Dominante des Lernens: Dies sind die Lehrerinnen und Lehrer, die ihren Unterricht an den Lernerfordernissen ihrer Schülerinnen und Schüler ausrichten und damit das ganze Portfolio an Lernanwendungen und Lernmedien dazu in Bezug setzen müssen.

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