Donnerstag, 28. Januar 2021

Digitale Schulbücher: Verband Bildungsmedien beklagt fehlende Zugänge für Lehrkräfte und Schüler/-innen

Christoph Pienkoß Christoph Pienkoß (picture alliance / Jan Haas)

Die neuerlichen Schulschließungen wegen der Corona-Pandemie machen deutlich, wie wenig die Schulen in Deutschland für das so genannte Distanzlernen gewappnet sind. Insbesondere fehlt den rund 10,9 Millionen Schüler/-innen und 820.000 Lehrkräften der Zugang zu den digitalen Inhalten der Bildungsmedienverlage.

Im Präsenzunterricht gewährleisten die individuellen Verfahren der Länder zu Schulbuchzulassung, die Lernmittelbudgets und Schulbuchlisten den einfachen Zugang von Lehrkräften und Schüler/-innen zu Schulbüchern. Sie werden von den Bildungsmedienverlagen passgenau für die Lehrpläne der Länder hergestellt und führen jahrgangsübergreifend auf den angestrebten Schulabschluss und die Prüfungen hin. Sie bieten damit einen roten Faden im Unterricht, den Lehrkräfte dann häufig individuell mit zusätzlichen – auch digitalen – Materialien ergänzen und kombinieren.

Auch im rein digitalen Lehren und Lernen sind curriculare Bildungsmedien deshalb unverzichtbar. Doch ein Zugang zu den vielen tausend Produkten für jedes Schulfach und jede Schulart ist momentan in keinem der 16 Bundesländer gewährleistet. Insbesondere bieten die meisten Länderplattformen keine Schnittstelle zu den Verlagsprodukten. Darüber hinaus fehlen weitgehend Beschaffungsstrukturen, Finanzierungswege und Budgets ebenso wie ein datenschutzkonformes Schüler- und Schul-ID-Management zur Lizenzverwaltung.

Große Sorge wegen fehlender Ausstattung der Schulen

„Die Bildungsmedienverlage wollen Lehrkräfte dabei unterstützen, guten Unterricht zu machen. Deshalb bereitet uns der aktuelle Zustand große Sorgen“, sagt Christoph Pienkoß, Geschäftsführer des Verband Bildungsmedien e. V.: „Die Verlage bieten ein breites Portfolio digitaler Unterrichtsmaterialien an, das von eBooks in PDF-Form über digitale Produkte, die um vielfache Funktionalitäten angereichert wurden, bis hin zu lehrplanbezogenen, reinen Onlineangeboten mit Möglichkeiten beispielsweise der Selbstkontrolle und des Teilens in Gruppen reicht.“

40.000 Titel lieferbar

Die rund 80 Bildungsmedienverlage in Deutschland bringen jedes Jahr rund 8.000 Titel neu auf den Markt. Insgesamt sind etwa 40.000 Titel lieferbar. Für die Anschaffung von Lernmedien insgesamt – gedruckt oder digital – stehen in Deutschland durchschnittlich rund 50 Euro im Jahr pro Lernendem zur Verfügung. In den Niederlanden sind es beispielsweise 150 Euro. Der durchschnittliche Preis für ein Schulbuch (Hardcover) lag 2019 bei 17,88 Euro. Den Umsatzanteil digitaler Bildungsmedien gegenüber analogen schätzt der Verband Bildungsmedien e. V. branchenweit auf 5 %.

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