Donnerstag, 29. November 2018

didacta-Themendienst: Bildung durch Bindung

Michael Felten auf der didacta 2018 Michael Felten auf der didacta 2018 Frederieke Tambaur

Lernerfolg hängt maßgeblich von der Qualität der Beziehung zwischen Kind und pädagogischer Fachkraft ab. Das bestätigen pädagogische Studien ebenso wie die Hirnforschung. Wer erfolgreich lehren will, hat somit die Aufgabe, eine vertrauensvolle Bindung zu seinen Schützlingen aufzubauen. Aber wie?

Der erfolgreiche Bildungsweg eines Kindes beginnt früh. Bereits in der ersten Interaktion mit Mutter oder Vater findet Bildung statt: Ein Kind lernt, sich in bestimmten sozialen Kontexten zu verhalten, eignet sich eine Sprache an, fügt sich in ein soziales Miteinander ein. Wenn sich ein Kind durch eine vertrauensvolle Beziehung zu den Eltern sicher und geborgen fühlt, kann es offen für seine Umwelt und somit offen für Bildung sein.

Ko-konstruktives Miteinander

„Eltern sind Experten für ihre Kinder“, erklärt Daniela Kobalt Neuhaus. Die Diplom-Heilpädagogin ist Vorstandsmitglied der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie und empfiehlt Erzieherinnen und Erziehern engen Kontakt zu den Eltern. Im von Kobelt Neuhaus mitgestalteten Leitfaden für den frühpädagogischen Bereich der Karl Kübel Stiftung in Zusammenarbeit mit der Vodafone Stiftung wird deutlich, wie wichtig die Eltern für die Beziehung der Kinder zu den pädagogischen Fachkräften sind. Familientraditionen, elterliche Ziele und Vorstellungen sollten demnach aufgegriffen und die Erfahrungen des Kindes gemeinsam mit den Eltern reflektiert werden, weil all das in die Betreuungssituation hineinwirken könnte. „Eine tragfähige Beziehung zum Wohle der Kinder entsteht durch ko-konstruktives Aushandeln und Gestaltung der Verbindung zwischen vielfältigen Familien, der Einrichtung und dem Lebensumfeld“, raten die Autoren des Leitfadens.

Forum Unterrichtspraxis
22. Februar 2019, 15:00 bis 16:00 Uhr – Halle 8, Stand D20/E21

Vortrag von Michael Felten, Lehrer und Publizist, freier Schulentwicklungsberater: "Gute Lehrer-Schüler-Beziehung, der Geheimcode für Unterrichtserfolg – wie geht das eigentlich?"

Die Teilnahme an den Veranstaltungen des Forum Unterrichtspraxis ist im Rahmen des Messebesuchs kostenfrei und ohne Anmeldung möglich. www.bildungsmedien.de/fup

Persönliche Ansprache und Akzeptanz

Ob nun in der Grundschule, der weiterführenden Schule, an Berufsschulen oder Hochschulen, die Beziehung zwischen Lernenden und Lehrkräften bleibt auch nach der Kindertagesstätte ausschlaggebend für den Lernerfolg. In seiner Metastudie „Visible Learning – Lernen sichtbar machen“ greift der neuseeländische Pädagogikprofessor John Hattie die Relevanz der Schüler-Lehrerbeziehung ebenfalls auf. Sie schafft es immerhin auf Platz 11 von insgesamt 252 Einflussgrößen auf den Lernerfolg. Der Psychologieprofessor Julius Kuhl erläutert in einem Interview mit dem Niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung, dass „Bildung und Lernen nur dauerhaft funktionieren können, wenn das Kind sich in der Beziehung zur pädagogischen Fachkraft öffnet. Dies geschieht, wenn es sich […] persönlich angesprochen, verstanden und akzeptiert fühlt“. Die meisten Lehrkräfte sind sich der großen Bedeutung von Beziehungen bewusst, jedoch fehlt es neben den vielschichtigen Aufgaben häufig an Zeit, um stabile Beziehungen aufzubauen.

Investieren in gute Beziehungen

Für Michael Felten, seit über 30 Jahren als Lehrer tätig, muss die Lehrperson für eine funktionierende Schüler-Lehrerbeziehung trotz Zeitmangels weit mehr tun, als vordergründig freundlich zu sein und im Erfolgsfall Lob zu äußern. In einem Kommentar für die „Süddeutsche Zeitung Online“ plädiert der Publizist und freie Schulentwicklungsberater für eine „Palette von Kontakt, Zutrauen, Echo, Fürsorge, Anerkennung, Wertschätzung, aber auch von Anspruch, Herausforderung und konstruktiver Kritik“. Attribute, die im Schulalltag wünschenswert sind, deren Präsenz jedoch harte Arbeit von den Lehrkräften erfordert. Arbeit, die sich allerdings lohnen könnte.


didacta – die Bildungsmesse: Auf der weltweit größten Messe für den gesamten Bildungsbereich zeigen vom 19. bis 23. Februar 2019 über 800 Unternehmen aus rund 40 Ländern ein umfassendes Leistungsspektrum von Ausstattungen und Einrichtungen, Bildungsmedien und didaktischen Materialien für alle Bildungs- und Erziehungsbereiche. Die ideellen Träger der didacta – die Bildungsmesse sind der Verband Bildungsmedien e. V., Frankfurt am Main, und der Didacta Verband der Bildungswirtschaft e. V., Darmstadt.

www.didacta-messe.de

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