Das duale Berufsbildungssystem

 

I. Demographie und Arbeiten 4.0: Der Wandel der Berufswelt

Deutschland steht im internationalen Vergleich derzeit ökonomisch gut da: Die Wirtschaft wächst kontinuierlich, die Inflation ist niedrig, Steuer- und Sozialkassen sind gut gefüllt, während die Arbeitslosenquote auf einem historischen Tiefstand angelangt ist.

Jedoch ist der aktuelle Zustand nicht aus sich heraus stabil. Die Welt um uns herum wandelt sich in rasanter Geschwindigkeit. Digitalisierung, Arbeiten 4.0, der demographische Wandel sowie der internationale Wettbewerb fordern uns zunehmend heraus und verlangen zukunftsorientierte Antworten von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.

Um diese Herausforderungen meistern zu können, benötigen wir exzellent ausgebildete Fachkräfte. Dank der Dualen Berufsausbildung mit ihrer einzigartigen Kombination aus betrieblicher Praxis und berufsschulischer Theorie mussten wir uns viele Jahre um eine ausreichende Zahl und Qualität an Fachkräften in Deutschland keine Sorgen machen. Auch viele ausländische Staaten interessieren sich für das deutsche Duale Berufsausbildungssystem – es gilt international als Erfolgsmodell.

Seit einigen Jahren jedoch strömen immer mehr Menschen direkt von der Schule in die akademische Bildung, anstatt vorher einen Beruf zu erlernen. Es ist offenbar weniger attraktiv geworden, den Weg ins Berufsleben über die Duale Berufsausbildung zu beginnen.

Zugleich führt die Alterung der Bevölkerung dazu, dass tendenziell immer weniger Menschen eine Berufsausbildung antreten, selbst wenn dieser Trend durch die Zuwanderung der letzten Jahre etwas abgemildert werden konnte. Dennoch bleiben viele Ausbildungsplätze unbesetzt.

In Hinblick auf diese Entwicklungen – und auf Grund der signifikanten Veränderung von Qualifikationsprofilen im Zuge von Industrie 4.0 und Arbeiten 4.0 – muss die Duale Berufsausbildung konsequent auf die Anforderungen von morgen und übermorgen ausgerichtet werden. Nur so kann langfristig der Bedarf an Fachkräften in Deutschland gedeckt werden.

Für die Politik muss die Modernisierung des Dualen Systems der Berufsausbildung eine zentrale Handlungsmaxime darstellen. Dabei sollte, neben der beruflichen Erstausbildung, auch die Notwendigkeit und Qualität der kontinuierlichen Weiterbildung in den Fokus gerückt werden.

 

II. Die Rolle der Bildungsmedienverlage

Die im Verband Bildungsmedien e. V. organisierten Unternehmen entwickeln innovative Gesamtlösungen für das Duale Berufsbildungssystem. Damit sind sie, gemeinsam mit ausgewählten Lehrkräften, aktive Gestalter der Inhalte und Didaktiken der Dualen Berufsausbildung. Bildungsmedienanbieter nehmen eine zentrale Rolle in der Formulierung und Vermittlung beruflicher Anforderungen in der Aus- und Weiterbildung ein – sowohl bei der Entwicklung der Lehrplanvorgaben als auch in der Umsetzung in Bildungsmedien zum Erwerb der erforderlichen Kompetenzen.

Entscheidend ist und bleibt die Verzahnung von Schule und Praxis, den betrieblichen Einrichtungen, dem von den Verlagen aufbereiteten Wissen, erarbeiteten Übungen, Prüfungsvorbereitungen und Lehrmitteln. Auch Fortbildungen müssen angemessen berücksichtigt werden. Erst dieses Zusammenspiel bereitet die Auszubildenden passgenau auf den angestrebten Ausbildungsabschluss, den Einsatz in der betrieblichen Praxis sowie auf anknüpfende praktische und/oder akademische Weiterbildungen vor.

Dabei werden die Lern- und Lehrkonzepte der Bildungsmedienanbieter insbesondere mit Blick auf die Digitalisierung stetig weiterentwickelt, um auch neuesten Anforderungen und Entwicklungen der Berufswelt gerecht zu werden.

Die Bildungsmedienanbieter sind in dieser Rolle Partner der Berufsschulen und ihrer Lehrkräfte, der Betriebe und ihrer Ausbilder und Ausbilderinnen, der Auszubildenden und der Politik in ihrer rahmensetzenden Funktion. Allein durch ein kohärentes Zusammenwirken dieser Partner kann erreicht werden, dass berufliche Bildung auch morgen noch anforderungsgerecht erfolgt.

 

III. Handlungsempfehlungen für die 19. Legislaturperiode

Bundestag und Bundesregierung müssen die Modernisierung der Beruflichen Bildung forcieren und schnellstmöglich konkrete Maßnahmen einleiten. Hierzu hat der Verband Bildungsmedien e. V. konkrete Handlungsempfehlungen formuliert:

  • Berufsbilder müssen laufend an die neuen Anforderungen im Rahmen von Industrie 4.0 bzw. Arbeiten 4.0, Digitalisierung, Fabrik der Zukunft etc. angepasst werden, um Attraktivität und Nutzwert der Beruflichen Bildung wieder zu erhöhen.
  • Die Attraktivität der Beruflichen Bildung im Vergleich zum rein akademischen Studium sollte – beispielsweise durch frühzeitige verpflichtende Berufsorientierung, begleitet etwa durch eine breitflächige Kampagne mit prominenten Testimonials, Paten etc. – deutlich herausgestellt werden. Berufsausbildung und akademische Ausbildung dürfen nicht länger als gegensätzlich, sondern sollten als komplementär angesehen und positioniert werden. Die Durchlässigkeit der Systeme muss forciert werden!
  • Zur Erstellung und Weiterentwicklung von Bildungsmedien und -konzepten für den beruflichen Bildungs- und Weiterbildungssektor müssen hinreichende Finanzierungslösungen bereitgestellt werden. Gleichzeitig braucht es mehr Finanzmittel für die Ausstattung der Ausbildungseinrichtungen in Schule und Betrieb.
  • Die Digitalisierung darf auch in der Dualen Berufsausbildung nicht weiter auf die lange Bank geschoben werden. Auch hierfür sind konkrete Finanzierungszusagen erforderlich, etwa für die Beschaffung von Hardware und Netzzugang in den unterschiedlichen Ausbildungseinrichtungen, moderne Lehr- und Lernmedien/-inhalte sowie eine Qualifizierungsoffensive für Berufsschullehrer.

Der Verband Bildungsmedien e. V. wird sich in die Debatte um Zuschnitt und Zukunft der Dualen Berufsbildung aktiv einbringen und diese mit eigenen Vorschlägen konkret vorantreiben. Der Verband ist gerne bereit, seine Mitwirkung in nationalen Beratungsgremien weiter auszubauen.

 

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