2. Reckahner Bildungsgespräche

2. Reckahner Bildungsgespräche Heike Schulze

"Welche Lehrer braucht das Land? Die Lehreraus- und -weiterbildung als zentrale Aufgabe der Bildungsreform", 15. und 16. Mai 2007

Die erfolgreiche Professionalisierung der Lehrerbildung – sowohl in der Ausbildung wie in der Weiterbildung – gilt als Testfall für den Erfolg der seit fünf Jahren laufenden Bildungsreformen in Deutschland. Insofern war es nur konsequent, dass die Reckahner Bildungsgespräche die Bilanzierung der bisherigen Reformbemühungen zur Lehrerbildung zum Schwerpunktthema Ihrer zweiten Veranstaltung gemacht haben.

An den 2. Reckahner Bildungsgesprächen am 15. und 16. Mai nahmen 62 Personen teil: Die Impulsreferenten waren Prof. Dr. Ewald Terhart, Universität Münster, der Tübinger Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Herrmann, Peter Daschner, Direktor des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung, Hamburg, und Prof. Dr.Heinz-Elmar Tenorth, Humboldt-Universität zu Berlin. Die in der Regierungsverantwortung stehnende Bildungspolitik vertraten die sächsische Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange, die Staatssekretäre Hans-Gerd Husung (Berlin) und Wolfgang Meyer-Hesemann (Schleswig-Holstein) sowie der Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums MD Josef Erhard. Der Staatsekretär im Thüringischen Kultusministerium Kjell Eberhardt hatte seinen Auftritt kurzfristig absagen müssen. Weitere Podiumsteilnehmer waren GEW-Bundesvorstandsmitglied Marianne Demmer, die Kasseler Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Friederike Heinzel, die SPD-Vertreterin im Schulausschuss des Landtages NRW und ehemalige Bundeselternratsvorsitzende Renate Hendricks und der Vorsitzende des Philologenverbandes Heinz-Peter Meidinger. Der FAZ-Redakteur Jürgen Kaube bezog auf dem Eröffnungspodium zum Thema „Was läuft falsch in der Lehrer(aus)bildung?“ Stellung.

Die Tagung wurde in Schloss Reckahn bei Brandenburg durch ein Impulsreferat von Prof. Dr. Ewald Terhart, dem zum Thema Reform der Lehrerbildung wohl renommiertesten Erziehungswissenschaftler, eröffnet. Terhart zog ein insgesamt nachdenkliches Resümee der bisherigen Bemühungen um einen höheren Praxisanteil bei der Lehrerausbildung und warnte davor, dass im Zuge der Exzellenzinitiative die Universitäten das Interesse an einer weiteren Professionalisierung der Lehrerbildung verlieren könnten, weil ihnen die Lehre keine Pluspunkte bei der Profilierung für Mittel aus der Exzellenzförderung bringe. Ministerin Stange konzedierte die oftmals stiefmütterliche Behandlung der Lehrerausbildung an den Universitäten und ließ anklingen, dass sie sich eine Verbesserung durch die Etablierung der Lehrerbildung an Pädagogischen Hochschulen durchaus vorstellen könne. MD Josef Erhard richtete das Augenmerk auf die Konsequenzen, die der Bologna-Prozess für die Lehrerausbildung hat, und kündigte an, dass Bayern hier einen ganz pragmatischen Weg gehen werde: Umgestellt werde dann, wenn sich die neuen Studiengänge als besser bewähren. Der Berliner Staatsekretär im Wissenschaftssenat Hans-Gerd Husung wie auch sein Kollege im Bildungsministerium Schleswig-Holstein, Wolfgang Meyer-Hesemann, plädierten dafür, den beschlossenen und angelaufenen Reformen mehr Zeit zur Bewährung zu geben.

Ein zentrales Thema der Diskussionen war die Frage nach einer Eignungsprüfung für den Lehrerberuf und der Berufsrolle des Lehrers in einem sich sozialpolitisch verschärfenden Umfeld. Während der Tübinger Erziehungswissenschaftler Ulrich Herrmann eindeutig für ein Selbstbild des Pädagogen als Agent von Kulturvermittlung, Sinnstiftung und Sozialarbeit plädierte, warnte sein Kollege Heinz-Elmar Tenorth von der Humboldt-Universität Berlin vor einen „Stellvertreterkrieg“, der dem Lehrer Aufgaben aufbürdet, die er professionell nicht leisten könne. Letztlich einig waren sich alle Beteiligten, dass man Lehrer nicht an der Universität, sondern im Beruf wird.

Den Tagungsablauf und die Referenten- und Teilnehmerliste, sowie die Impulsrefererate können Sie im Anhang herunterladen.

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