3. Reckahner Bildungsgespräche

"Bildungsarmut –die neue Herausforderung für Politik und Schule", 17. und 18. Juni 2008

Kein anderes Ergebnis der internationalen Vergleichsstudien hat Politik und Pädagogik so getroffen wie der Befund, dass in Deutschland der Zusammenhang zwischen Bildungserfolg oder Misserfolg auf der einen Seite und sozialer Herkunft auf der anderen Seite so auffällig ist wie in kaum einem anderen OECD-Land. Ist aus dem Land der Sozialdemokratie, der Sozialen Marktwirtschaft und des sozialen Aufstiegs nach 1945 ein closed shop des einheimischen Bildungsbürgertums geworden?

Das Problem ist vielgesichtig und muss differenziert betrachtet werden. Zu den 3. Reckahner Bildungsgesprächen, die sich dem Thema der Bildungsarmut in Deutschland widmeten, wurden deshalb Experten aus der Familien- und Jugendforschung, aus der Erziehungswissenschaft und Bildungspolitik wie auch der Sozialwissenschaft und der Rechtsphilosophie versammelt. So interdisziplinär wie bislang noch bei keinem „Reckahner“ Thema wurde dann auch diskutiert. Wie ist das Problem empirisch zu definieren? Was sind die Ursachen? Was kann Politik, was kann Schule tun? Wie kann den Betroffenen geholfen werden? Was ist die rechtliche Seite von Bildungsarmut? Was ist eigentlich Bildungsgerechtigkeit?

Zu diesen Fragen gaben die Impulsreferenten der fünf Veranstaltungen ihre Steilvorlagen für die Diskutanten auf den Podien: Der bekannte Sozialisationsforscher Lothar Krappmann vom UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes eröffnete die Gespräche mit einer Problemskizze, die das Thema „Bildungsarmut“ in einen globalen Kontext stellte. Der Familienforscher Hans Bertram, Humboldt-Universität zu Berlin, skizzierte in seinem Vortrag die Aufgabe des Staates, machte aber deutlich, dass „Bildungsarmut“ in den Familien beginnt und nicht ohne diese gelöst werden kann. Die Erziehungswissenschaftlerin Ingrid Gogolin, Universität Hamburg, stellte sich der Frage nach der „Bildungsgerechtigkeit“ und kam zu der These, dass sie nur durch eine systematische Ungleichbehandlung der Ungleichen, einer nachhaltigen Förderung der Benachteiligten erreicht werden kann. Wie man zur (Selbst)Bewältigung von Bildungsarmut befähigen kann, war das Thema des Impulsreferats von Christian Lüders, Jugendforscher am Deutschen Jugendinstitut in München. Diskutiert wurden die Befähigungen und Optionen einer Hilfe zur Selbsthilfe sowie beispielhafte Projekte und Programme.

Die Bildungsgespräche wurden mit einem Vortrag des Verfassungsrechtlers und Romanautors Bernhard Schlink zur rechtlichen Seite von Bildungsarmut und zur Frage der „Vergerechtlichung“ abgeschlossen. Schlink warnte vor einer Überforderung der Schule durch eine Verrechtlichung von Ansprüchen und fragte povokant, ob Schule die Schüler nicht auch auf Ungerechtigkeit vorbereiten müsse.

Seitens der Politik diskutierten auf den Podien die Bildungsstaatsekretäre Kjell Eberhardt (Thüringen), Burkhard Jungkamp (Brandenburg) und Dr. Susanne Reichrath (Saarland; amtierende Vorsitzende der Amtschefkonferenz der KMK). Die Hamburger Bildungssenatorin Christa Goetsch wie auch der nordrhein-westfälische Bildungsstaatsekretär Günter Winands hatten kurzfristig ihre Teilnahme absagen müssen. Alle Referenten der Tagung finden Sie in der Tagungskonzeption Reckahn 2008. An den Reckahner Bildungsgesprächen nahmen insgesamt 60 Personen aus Politik, Erziehungswissenschaft, Publizistik, Bildungsverwaltung und Lehrerfortbildung teil. Zur Tagung wurde eingeladen.

Die Impulsreferate finden Sie im Anhang.

Der Vortrag von Prof. Dr. Bernhard Schlink steht leider nicht zur Verfügung.

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