4. Reckahner Bildungsgespräche

„Risikofaktor Familie - eine Aufforderung an Schule und Politik“, 24. und 25. Juni 2009

Das Thema der 4. Reckahner Gespräche ergab sich beinahe zwangsläufig aus den Diskussionsrunden der vergangenen Jahre. Es machte eindrucksvoll deutlich, wie verstrickt die Politik- und Handlungsfelder Schule, Staat und Zivilgesellschaft sind und dass es bislang offensichtlich keine Patentrezepte für eine geglückte Familienpolitik und damit auch für ein gerechtes Bildungssystem gibt.

Nachdem in den vorangegangenen Jahren über Bildungsstandards, Lehrerbildung und Bildungsarmut debattiert wurde, widmeten sich die 56 Teilnehmer in diesem Jahr dem Zusammenspiel von Familie, Schule und Politik. Unumgänglich, dass bei diesem Thema eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Aspekte diskutiert wurde - angefangen vom Zusammenspiel von Elternhaus und Schule, über die Beziehung Schule und Wirtschaft bis zur Frage der Schulstruktur. Die Rolle und Verantwortung der Kommunen und der einzelnen Bürger wurde ebenso hinterfragt wie die Wirksamkeit von Infrastruktur- und Arbeitsmarktpolitik.

Dr. Heike Solga, Forschungsdirektorin am Wissenschaftszentrum Berlin, prangerte in ihrem Auftaktreferat die „Herkunftslotterie der Bildungschancen“ an, weil im deutschen Bildungssystem wie in kaum einem anderen entwickelten Land der Welt die soziale Herkunft darüber entscheide, welche Bildungschancen Kinder in der Schule und in ihrem weiteren Lebensverlauf haben. Der anschließenden Diskussion stellten sich unter der Moderation von Prof. Dr. Heinz-Elmar Tenorth der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Ulrich Thöne, und der Redakteur der tageszeitung, Berlin, Christian Füller.

Der Impulsreferent der zweiten Veranstaltung zum Thema „Staat contra Zivilgesellschaft“ Pater Klaus Mertes, Rektor des Canisius-Kollegs in Berlin, wollte die Grenzen zwischen den verschiedenen Professionen nicht verwischt sehen und brach eine Lanze für die Leistungsfähigkeit des Systems Schule. Sein Leitsatz: „Lehrer sind keine Miteltern und Eltern sind keine Mitlehrer“. Die weiteren Podiumsteilnehmer waren der ehemalige Staatssekretär im Thüringer Kultusministerium, Kjell Eberhardt, die Abteilungsleiterin im schleswig-holsteinischen Bildungsministerium, Dr. Claudia Langer, und der Vorsitzende des Bundeselternrates, Hans-Peter Vogeler. Die Moderation übernahm Peter E. Kalb, Redakteur der Zeitschrift „Pädagogik“.

Der Berliner Familienforscher Prof. Dr. Hans Bertram verwies in seinem Impulsreferat zur dritten Veranstaltung zum Thema „Bildungsunterstützung als Aufgabe der Familienpolitik“ auf andere Zusammenhänge und zitierte aus einer Zusatzuntersuchung zu den PISA-Ergebnissen über die schlechten Mathematikleistungen der 15-jährigen Schüler in Mecklenburg-Vorpommern. Unter der Moderation von Lothar Guckeisen, Deutschlandfunk, diskutierten Ilse Elisabeth Falk, stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, und Prof. Dr. Lilian Fried, Familienpädagogin an der Universität Dortmund.

Die vierte Veranstaltung zum Thema „Zusammenarbeit von Schule und Familie“ wurde mit einem Impulsreferat der Hamburger Bildungssenatorin Christa Goetsch eingeleitet, die über die dortige Bildungsreform berichtete. Von einer Kumulation von Risiken bei immer mehr Kindern warnte Podiumsteilnehmer Prof. Dr. Günther Opp von der Universität Halle. Der Resilienzforscher nannte verschiedene Faktoren: Armut, wenig Bewegung, schlechte Ernährung, unkontrollierter Fernsehkonsum. Kinder, so Opp, bräuchten umso mehr Hilfe, je massiver diese Risiken seien. Weitere Podiumsteilnehmerin war Maresi Lassek, Leiterin einer „Brennpunkt-Schule“ in Bremen und stellvertretende Vorsitzende des Grundschulverbandes. Die Moderation übernahm Dr. Gerd-Dietrich Schmidt, Vorstandsmitglied des VdS Bildungsmedien.

Den abschließenden Vortrag der 4. Reckahner Bildungsgespräche zum Thema „Bildungsmilieu, Biographie und Karriere - aus persönlicher Perspektive“ übernahm die Anfang diesen Jahres verstorbene Publizistin, Katharina Rutschky.

Den Tagungsablauf, die Referenten- und Teilnehmerliste, einzelne Impulsreferate sowie den Vortrag von Frau Rutschky finden Sie im Anhang.

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