5. Reckahner Bildungsgespräche

5. Reckahner Bildungsgespräche Heike Schulze

„Talent, Begabung, Elite - Welche Exzellenzförderung braucht Bildung?“, 17. und 18. Juni 2010

Das Thema „Elitenbildung“ gewann gemeinsam mit den Diskussionen um „Hochbegabung“ in den vergangenen Jahren in den öffentlichen Bildungsdebatten deutlich an Prominenz und Nachhall - es wurde indes unter relativ engen Aspekten und bestimmten, vornehmlich wirtschaftlichen Perspektiven, erörtert. Es ist zudem aber auch ein - wichtiges - Thema im Kontext der neuen Bildungsstandards und des Konzepts der individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern. Dies waren Gründe genug, um auf der Tagesordnung der 5. Reckahner Bildungsgespräche zu erscheinen, um die Thematik multiperspektivisch auszuloten.

Dabei war gleich klar, dass unterschieden werden muss in Talent, Begabung und Elite und dass das Erkennen und Fördern von Talenten wie Begabungen nicht allein eine Forderung und Aufgabe des Schul- und Bildungswesens sein kann. Folglich diskutierten die 53 Teilnehmer der Reckahner Bildungsgespräche 2010 entlang dieser begrifflichen Leitlinien unter einer gewiss doppeldeutigen Überschrift auch in dem Bewusstsein, dass es keinen definitorischen Konsens über die hinterfragten Begriffe gibt. Dies wurde sogleich in der Auftaktveranstaltung deutlich, in die Prof. Dr. Elmar Tenorth (Humboldt Universität zu Berlin) einführte und bei der das Impulsreferat von Prof. Dr. Michael Hartmann (TU Darmstadt) mit dem Titel „Elite, Exzellenz, Spitze“ unter anderem die Ambivalenzen der Begriffsbelegungen deutlich werden ließ: „Spitze“ und „Elite“ haben gesellschaftlich betrachtet nicht viel miteinander zu tun. Der Diskussion stellten sich zudem Jürgen Kaube, Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wie Jan-Hendrick Olbertz, der - seinerzeit - designierte Präsident der Humboldt Universität Berlin.

Wie die Vielfalt von Begabungen in und außerhalb von Schule entdeckt, „gemessen“ und gefördert werden können - dies war das Hauptthema des von Peter Kalb (Redakteur der Zeitschrift Pädagogik) moderierten zweiten Podiums, in dem die Diagnose wie Feststellung von Begabungen dargestellt und diskutiert wurde. Der Hochbegabtenforscher Prof. Dr. Detlef H. Rost (Universität Marburg) zeigte geeignete (und weniger adäquate) Methoden der Begabungsanalyse auf, die vierfache Olympiasiegerin und Leiterin des Bundestützpunktes Rudern in Potsdam, Kathrin Boron, verdeutlichte die Systeme der Talentsichtung und -förderung im Sport. Der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann , belegte, wie Lehrerinnen und Lehrer bestrebt sind, im Rahmen der individuellen Förderung von Kindern und Jugendlichen Begabungen wie Talente zu unterstützen. Die nicht einfach zu definierenden Kriterien bei der Stipendienvergabe im Zusammenhang der Studien- und Promotionsförderung verdeutlichte Dr. Andreas Poltermann, Leiter der Abteilung Politische Bildung Inland der Heinrich-Böll-Stiftung e.V.

Ganz der Exzellenzförderung in der Schule widmete sich dann die dritte Runde. Hier kam Prof. Dr. Klaus Jürgen Tillmann (Universität Bielefeld) in seinem Impulsreferat zu dem Ergebnis, dass eine frühe Zusammenfassung leistungsstarker Schüler mit günstigem sozialen Hintergrund und damit deren Trennung von anderen Kindern noch keine wirksamen Fördermaßnahmen darstellen und mahnte an, dass es für die Förderung von Talenten & Begabungen „intelligentere Konzepte" brauche. Zu dieser Position bezogen auch Bernhard Bueb, der ehemalige Leiter der Internatsschule Salem („Salem ist keine Eliteschule“), Peter Daschner, der Direktor des Landesinstitutes für Lehrerbildung und Schulentwicklung in Hamburg sowie Heinz-Peter Meidinger, der Vorsitzende des deutschen Philologenverbandes, Stellung. Sie hoben hervor, unter welchen Bedingungen im staatlichen Schulwesen welche Anstrengungen unternommen werden, um Begabungen und besondere Begabungen zu erkennen und um die richtige Fördermethode für alle Kinder zu finden. Moderiert wurde diese Veranstaltung von Lothar Guckeisen, Bildungsjournalist und Moderator beim Deutschlandfunk.

Den abschließenden Vortrag mit dem Titel „Freiheit, Gleichheit, Elite - Welche Bildung braucht die Exzellenzförderung?“ hielt Prof. Dr. Ulrich Herrmann (Tübingen), der sich für die statusunabhängige Breitenförderung stark machte, aber unter anderem strukturelle, ökonomische und personelle Probleme in den staatlichen Schulen sah, die diese notwendige differenzierte Förderung massiv behinderten: „Die Schulen arbeiten am Anschlag, sie sind personell (zahlenmäßig und qualitativ) sowie sächlich unterausgestattet, erst der rhythmisierte Ganzbetrieb würde die erforderlichen Zeitfenster für Bildungsangebote und Selbstbildungsprozesse eröffnen, die Auslesestrukturen und die normierenden Leistungsstandards behindern massiv das … Verfahren einer differenzierten Breitenförderung.“ Die entsprechende Diskussion leitete Prof. Dr. Uwe Sandfuchs (TU Dresden).

Den Vortrag von Prof. Tillmann und Prof. Herrmann, sowie den Tagungsablauf und die Referenten- und Teilnehmerliste können Sie im Anhang herunterladen:

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